Wiedergeburt: Zweites Leben für ausgemusterte IT-Hardware

Bild: AfB Group

Das gemeinnützige Unternehmen Arbeit für Behinderte (AfB) bereitet gebrauchte IT-Hardware auf. Das Besondere daran: 43% sind Menschen mit Handycap.

Frau Lutz, AfB beschäftigt sich mit der Aufbereitung und dem Verkauf gebrauchter IT-Hardware. Dabei arbeiten Sie mit Partnern zusammen. Wie funktioniert das genau?

JULIYA LUTZ: Große Unternehmen mustern aus Modernisierungsgründen regelmäßig ihre Hardware aus. Meistens wissen sie nicht wohin damit, möchten verhindern, dass funktionierende Geräte achtlos auf dem Schrott oder sensible Daten in der Öffentlichkeit landen. AfB löst gleichzeitig beide Probleme. Wir holen die Altgeräte mit unserem eigenen Fuhrpark und dem eigenen Personal ab, bringen alles unter höchsten Sicherheitsbedingungen an unseren nächsten Produktionsstandort. Unsere Partner können sichergehen, dass nur befugte Mitarbeiter Zugang zu den Geräten haben, bis diese über Blancco Software unwiderruflich gelöscht wurden. Brauchbare Hardware wird repariert, gereinigt und anschließend im Store verkauft. Nicht wiedervermarktbare Ware wird sortenrein getrennt, unlöschbare Festplatten sogar geschreddert. Je nach Wert der Ware haben die Unternehmen keine große Kosten für die Beseitigung der Hardware, AfB gleicht die Übernahmekosten durch Leistungen aus. Zusätzlich helfen wir unseren Partnern dabei, ihr nachhaltiges und soziales Engagement zu kommunizieren, erstellen offizielle Urkunden in Form von Bilanzen und stehen als CSR-Partner zur Seite.

Weiterhin ermöglichen Sie die Eingliederung von Menschen mit Behinderung. Wie gelingt Ihnen das und wie hoch ist deren Anteil?

Aktuell sind rund 43 Prozent unserer 255 Mitarbeiter behindert. Alle unsere Standorte sind barrierefrei und auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung angepasst. Zum Beispiel gibt es Aufzüge und Produktionshallen sind auf einer Ebene. Durch die Offenheit innerhalb des Unternehmens, aber auch der offenen Kommunikation nach außen, sind Behinderungen im Unternehmen und bei unseren Kunden kein Tabuthema. Mit ein wenig Verständnis für die jeweiligen Handicaps schrumpfen im Alltag ganz einfach die Berührungsängste und Vorurteile über die Geschäftsfähigkeit behinderter Menschen. Zudem bieten wir in Nordrhein-Westfalen eine Ausbildung zum IT-Fachpraktiker an, die explizit an junge Leute aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung vergeben werden. So öffnen wir ihnen den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt.

Verfolgen Sie weitere Ziele?

2016 war zum ersten Mal einer unserer Standorte klimapositiv. Wir möchten erreichen, dass alle AfB-Standorte diesen Erfolg verbuchen können und andere Unternehmen dabei unterstützen, nachhaltiger zu wirtschaften. Neben dem Klimaschutz ist das große Ziel seit Gründung der AfB, 500 Arbeitsplätze in der IT-Branche für Menschen mit Behinderung zu schaffen.

Woher kam der Impuls zur Gründung?

Unternehmensgrüner Paul Cvilak wollte beweisen, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziales Engagement sowie Umweltschutz vereinbar sind. Aufgrund seiner Erfahrungen wollte er Unternehmen eine Lösung für ihr Hardware-Problem bieten und zugleich Mehrwerte schaffen. Menschen mit einer Behinderung können genauso in der IT-Branche arbeiten, wie solche ohne Behinderung.

Welche Rolle spielt die ökologische Komponente und was versteht Ihr Unternehmen unter Green IT?

Der Fokus von AfB liegt bei allen Geschäftstätigkeiten immer auch auf ökologischen Aspekten. Wir wollen verhindern, dass ausgemusterte IT-Hardware unkontrolliert auf Müllhalden in Afrika oder Asien landet und dort nicht nur der Umwelt, sondern auch der ansässigen Bevölkerung schadet. Zum Großteil funktionieren viele Geräte noch einwandfrei. Neuproduktionen verbrauchen wertvolle Ressourcen und produzieren schädliche Mengen an CO2-Äquivalenten. Green IT bedeutet für uns, ebendies einzudämmen und den Kunden eine Alternative zu bieten, die die Umwelt schont. Gebrauchte Notebooks und Co. können mit gutem Gewissen verkauft und gekauft werden, nicht alles was Unternehmen ausmustern muss als wertlos abgestempelt werden.

Können Sie eine Einschätzung oder ein kleines Rechenbeispiel geben, wieviel CO2 durch die Wiederaufbereitung von IT durchschnittlich gespart werden kann?

Die Wiedervermarktung gebrauchter Notebooks, PCs und Monitore konnte in Klagenfurt 287.076,4 Kilo CO₂-Äquivalente einsparen. Im Vergleich dazu wurden dort über die einzelnen Betriebsprozesse verteilt nur 110.725,74 Kilogramm Schadstoffe selbst produziert, somit weniger als die Hälfte. Diese positive Bilanz soll zukünftig weitergeführt, -beobachtet und verbessert werden. Regenerative Energien sind in Klagenfurt Standard . Das spiegelt sich auch in den positiven Werten indirekter Emissionen wieder. Dazu zählen die Stromversorgung durch Wasserkraftwerke oder das Heizen mit Pallets, das die Entstehung großer Mengen von Treibhausgasen verhindert. Da aktuell im Fuhrpark des Klagenfurter Betriebs nur ein Auto vorhanden ist, hält sich auch hier die CO₂-Menge in Grenzen.

Wie nachhaltig ist die deutsche IT-Landschaft Ihrer Einschätzung nach aufgestellt?

Über unsere CSR-Abteilung können wir beobachten, dass sich das Bewusstsein der Unternehmen verändert. Ihnen ist bewusst, dass Nachhaltigkeit für einen positiven Ruf immer wichtiger wird. Jedoch landen noch immer große Mengen Elektroschott auf Müllhalden, anstatt recycelt zu werden. Besonders große IT-Konzerne leben von Neuproduktionen und setzen Trends, die Neukäufe fördern und weder Ressourcen schonen, noch Emissionen eindämmen.

 

Das ganze Interview lesen Sie auf LifeVERDE.

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