Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für Hotelketten wie der Rezidor Hotel Group?

Bild: Rezidor Group

Zu diesem Thema befragten wir Herrn Willem van der Zee, Area Vice President Central Europe Rezidor Hotel Group.

Herr van der Zee, Sie arbeiten für die Rezidor Hotel Group als Area Vice President Central Europe. Zur Rezidor Group gehören Hotels der Marken Radisson Blu, Park Inn by Radisson, Missoni und Regent. Wie sieht Ihr Nachhaltigkeitsanspruch für diese Hotels aus?


Willem van der Zee:
Die Rezidor Hotel Group hat bereits vor Jahrzehnten begonnen, sich der Verantwortung zu stellen und setzt schon seit 1989 (!) ein umfangreiches Responsible-Business-Programm in den Hotels um. Darüber hinaus erachte ich es als wichtig, hier spreche ich zunächst für meinen Bereich, der Area Zentral Europa*, dass unsere Hotels nach international anerkannten Umweltmaßnahmen agieren. Rezidor hat sich für das internationale Eco-Label ‚Green Key‘ entschieden, welches in 28 Ländern vertreten ist. Green Key basiert auf ökologischen, sozialen und technischen Kriterien, die über gesetzlich vorgeschriebene Umweltschutzvorschriften der einzelnen Länder hinausgehen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden in 2012 33 Hotels der Marken Radisson Blu und Park Inn by Radisson zertifiziert. Und wer mich persönlich kennt, der weiß, dass ich bei zahlreichen Angelegenheiten versuche, das Thema Nachhaltigkeit mit einzubinden – zum Beispiel nehmen wir bei unseren Meetings und Konferenzen einen Ausgleich des Kohlenstoffdioxid-Verbrauchs vor.

*Seine Zuständigkeit umfasst 25 Radisson Blu und 25 Park Inn by Radisson Hotels in Deutschland sowie 15 weitere Radisson Blu und 9 Park Inn by Radisson Hotels in Österreich, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Deutschland, Ungarn, Rumänien, Slowakei und in der Schweiz
Welche Nachhaltigkeitsstrategien wenden Sie an, um sowohl ökologisch als auch ökonomisch effizient handeln zu können?

Willem van der Zee: Ergänzend zum langjährigen Responsible Business Programm, wurde im vergangenen Jahr die konzernweite Energie-Spar-Initiative ‚Think Planet‘ ins Leben gerufen. Ziel ist es hierbei, 25 Prozent Strom in fünf Jahren einzusparen. Über 330 Hotels in 70 Ländern der Marken Radisson Blu, Park Inn by Radisson und Hotel Missoni beteiligen sich. Unser Fokus liegt immer darauf, das Richtige zu tun – für unsere Gäste und die Umwelt. Im Bereich Tagungen unterstreichen wir unser Engagement mit dem Kundenprogramm ‚Club CarlsonSM for Planners‘. Registrierte Tagungskunden können ihren CO2- Fußabdruck kalkulieren lassen und ihr Meeting CO2 neutral gestalten. Zum Ausgleich des Kohlenstoffdioxid-Verbrauchsinvestieren wir in erneuerbare EnergieninIndien und pflanzen für jede Tonneeinen Baum imGreat Rift ValleyinKenia. Zudem sind Gebäude für 30% des weltweiten CO²-Ausstoßes verantwortlich – Mit ‚Think Planet‘ reduziert Rezidor den CO² Ausstoß in den Hotels – Schritt für Schritt.
Durch ihr ausgeprägtes Nachhaltigkeitsengagement sind die Ausgaben für die Hotels höher als bei der Konkurrenz. Wie lässt sich dies wirtschaftlich kompensieren?

Willem van der Zee: Viele unserer Hotels haben bereits fortschreitende, umweltfreundliche Maßnahmen eingeführt –Initiativen, die auch mit Investitionen verbunden sind. Gleichzeitig sehen wir uns derzeit in vielen Ländern neben der staatlichen Kohlenstoff-Besteuerung mit signifikant steigenden Energiekosten konfrontiert. So gesehen werden wir durch eine Reduzierung des Energieverbrauches zugleich unsere Gewinne maximieren können. Die Einsparungen unserer Hotelgruppe werden in den nächsten 5 Jahren in etwa denen aller Haushalte einer Stadt wie Nürnberg entsprechen. Oder soviel, als würde man 245.000 Autos von den Straßen nehmen.

Um die Wünsche Ihrer Gäste zu ermöglichen, muss es eine große Fülle an Angeboten geben, wodurch auch viele Ressourcen verbraucht werden. In welchen Bereichen sehen Sie die größten Schwierigkeiten, Ihr Kerngeschäft mit Nachhaltigkeit zu verbinden?

Willem van der Zee: Hotels haben „traditionell“ hohe Wasserverbräuche, vor allem Resort Hotels. Man kann den Wasserverbrauch nur bedingt reduzieren, ohne den Komfort für die Gäste zu reduzieren. Pool, Spa etc. etc.. Der Energieaufwand im Bereich Wäsche (Bettwäsche und Frottee) ist vergleichsweise groß. Die Wäsche wird meist mit hohen Temperaturen („Kochwäsche“) gewaschen, es kommt Chemie (Waschmittel) zum Einsatz und es wird viel Wasser verbraucht. Der Gast wünscht/erwartet aber einwandfrei saubere und hygienisch einwandfreie Wäsche. Unsere Energiesparinitiative Think Planet informiert und begeistert unsere Gäste auf verschiedene Weise: mit Plakaten, einem Film, Informations-Karten. Sie können sogar ihre eigenen Aktivitäten auf www.thinkplanet.rezidor.com mit einbringen.


Die Rezidor Hotel Group ist ein Vorreiter für eine so ausgeprägte Umsetzung der Corporate Social Responsibility (CSR) in Ihrer Branche. Wie hat sich die Hotelbranche seitdem entwickelt? Sind Sie noch immer Pionier in dem Bereich oder ist die Nachhaltigkeitsidee bereits zu einem Leitbild für den Markt geworden?

Willem van der Zee: Das Thema ist – und man muss sagen zum Glück – bereits in vielen Hospitaliy-Unternehmen vertreten. Denn wir wissen doch alle, nur gemeinsam ist man stark. Wenn man uns als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit bezeichnet, ehrt uns das sehr Und glauben Sie uns, wir tun vieles dafür, um diesem Titel gerecht zu werden. Anfang März wurde unsere Energiesparinitiative Think Planet vom Travel Industry Club mit dem Best Practice Award 2013 ausgezeichnet. Darüber hinaus engagierte sich Rezidor zusammen mit 22 weiteren führenden Hospitality-Unternehmen, um eine weltweit einheitliche und transparente Methodik zur Berechnung der Klimabilanz von Hotels zu entwicklen.

Ihre Hotels sind weltweit vertreten. Während in Deutschland das Umweltbewusstsein bereits recht ausgeprägt ist, ist die Bedeutung an anderen Standorten wie Russland oder Afrika noch nicht so präsent. Wie gehen Sie mit den kulturellen Unterschieden um? Ist es eine besondere Herausforderung dort dieselben Standards zu etablieren?

Willem van der Zee: Rezidor hat Think Planet EMEA-weit implementiert, das schließt somit auch Afrika und Russland ein – In diesen Ländern streben wir mit dem gleichen Einsatz nach unseren ambitionierten Zielen, wie in Deutschland auch. Im Übrigen haben wir zwei Hotels in Afrika, die ausgezeichnet in 2012 performt haben: das RD Blu Sandton Johannesburg und das RD Blu Waterfront Capetown. Allein das Radisson Blu Hotel Capetown Waterfront kann folgende Erfolge in 2012 vorweisen: -28% kWh/m2-18% kwh/OR Energieeinsparung. Wie ein Hotel das schafft? Durch Sensibilisierung der Mitarbeiter (z.B. mit Hilfe von „Lumi“ Think Planet´s Maskottchen das Glühwürmchen. Dieses kleine Wunderwerk der Natur ist sehr klug und erzeugt sein eigenes Licht), Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren für die Beleuchtung, Installation von nahezu 1400 LED Leuchten, der Optimierung von Kühl- und Klimaanlagen sowie ihrer Betriebszeiten usw.

Das ganze Interview lesen Sie auf LifeVERDE.

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